Kavalier im Parkhaus

13. April 2012 um 09:30

daumen

Ich war ja schon immer der Ansicht, dass Frauen nur nach einem mindestens vierwöchigen Lehrgang mit theoretischer und praktischer Prüfung ein Parkhaus befahren und nutzen dürfen. Denn viele dieser anderen Menschen lassen sich von den netten Schildern mit der Aufschrift “Frauenparkplätze” blenden. Natürlich ist da auch genügend Platz zum Rangieren und manche von ihnen sollen es sogar schaffen, dort rückwärts einzuparken. Hab ich gehört…

Anders sieht es natürlich in der rauhen Welt von uns Kronen der Schöpfung aus. Wir müssen uns mit engen Parkplätzen, weiteren Entfernungen zu Treppenhaus oder Fahrstuhl und oft sehr gewagten Parkhaus-Einfahrten herumschlagen. Und nicht alle von uns meistern diese täglichen Gefahren ohne Schleifspuren an der Karosse. Aber der weitaus grösste Teil von uns Männern kommt nicht nur unfallfrei hinein, sondern auch ebenso unfallfrei wieder hinaus.

Nun ja, was will man auch von einem Weibchen verlangen, das im Höchstfall ein Dutzend mal im Jahr das Fahrzeug des Angetrauten oder auch Angefreundeten bewegen darf und auf diesen Fahrten dann auch noch das Pech hat in ein Parkhaus zu müssen, in dem keine Frauenparkplätze ausgezeichnet sind. Und nur 50 Fahrstunden bei der Führerscheinprüfung müssen nicht zwangsläufig auch bedeuten, dass dort das Einparken auch gelehrt wurde, was dann in der Praxis auch schon einmal zu einem mittleren Nervenzusammenbruch führen kann. So wie bei der noch recht jungen Röckchenträgerin, der ich gestern begegnete…

Mitten in der Innenstadt einer recht grossen Stadt, hatte sie es zu meinem Erstaunen tatsächlich bis auf das oberste Parkdeck geschafft. Dies allerdings auch nur – wie sie mir dann nachher berichtete – weil weiter unten nichts mehr frei war und hinter ihr wohl ein wildes Hupkonzert veranstaltet wurde, dass sie quasi nötigte die Flucht nach oben anzutreten.

Und wie ich sie da so sah, wie sie zwar mit dem relativ grossen Gefährt aus der Parknische kam, sich dann aber offensichtlich nicht traute, den Weg nach unten einzuschlagen, da konnte ich mir erst ein Grinsen nicht verkneifen. Dann sah sie mich und winkte mich zu sich. “Das ist das Auto von meinem Freund und wenn ich die ganzen Schrammen da an der Abfahrt sehe, dann klebe ich da gleich sicher auch dran. Könnten sie den Wagen nicht für mich hinunter fahren?” Naja, da ist Mann dann natürlich Kavalier, auch wenn Mercedes nicht gerade zu meiner bevorzugten Automarke zählt… :cool:

Ich nickte kurz, sie stieg aus, erzählte mir während sie Richtung Beifahrertür stakselte die Story aus dem vorletzten Absatz, sie stieg ein, ich stieg ein, rückte mir den Fahrersitz in eine gemütliche Position, startete den Motor und dann ging es los. Ganze 9 Parkdecks tiefer lag die Ausfahrt und ich muss gestehen, dass ich absichtlich etwas mehr auf das rechte Pedal getreten habe. Denn schon bei der Abfahrt von Parkdeck 9 zu Parkdeck 8 quietschte sie derart auf, dass sie sich fortan schon am Sitz festklammerte, wie ich aus dem Augenwinkel sehen konnte.

Auf Parkdeck 4 quietschte sie urplötzlich wieder, worüber ich fast erschrak und das Pedal noch etwas fester durchtrat. Das fiese Geräusch dass ein Reifen in einer Kurve produzieren kann, liess mich dann kurz das Bremspedal ertasten. Aber nur kurz, dann gings weiter… Als wir nach geschätzten 55 Sekunden vor der Schranke standen blickte ich nach rechts und sagte: “Den Parkschein, bitte.” Sie hielt mir etwas hin, was wohl vor kurzem noch ein Parkschein gewesen sein musste.

Allerdings hatte sie das Ticket in den 55 Sekunden so bearbeitet dass ich Mühe hatte, es in den dafür vorgesehenen Schlitz zu bugsieren. Doch nach kurzer Zeit war auch diese Schranke Hürde gemeistert, ich fuhr die Kutsche um die Ecke, hielt an, stieg aus, sie wackelte in meine Richtung, bedankte sich und murmelte etwas dass sich anhörte wie “Mir ist kotzschlecht” (Ich kann mich aber auch verhört haben…), stieg ein und tuckerte los.

Tja, und so wurde ich zum Kavalier im Parkhaus… :mrgreen: